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Städte, Agglomerationen und das Land sind eng verflochten und nicht trennscharf zu separieren. Die föderale Struktur der Schweiz sowie die zahlreichen Lasten- und Finanzausgleiche sorgen für ein enorm austariertes und feingliederiges System sowie zu komplexen Finanzströmen. Aber: Die Städte sind die Wirtschaftsmotoren des Landes. Zu diesem Schluss kommt der Bericht «Fakten zu Stadt und Land», die der Städteverband und die Konferenz der städtischen Finanzdirektorinnen und -direktoren (KSFD) in Auftrag gegeben haben.
Wo hört das Land auf und wo fängt die Stadt an? Was zählt zur Agglomeration? Ist die Kantonshauptstadt im ländlich geprägten Kanton und vielen Zentrumsfunktionen trotz kleiner Einwohnerzahl eine Stadt? Viele dieser Frage lassen sich nicht eindeutig beantworten: Das Bundesamt für Statistik (BFS) weist insgesamt 9 Gemeindetypologien zwischen Grossstädten über periurbane Gemeinden und ländliche Zentren bis zu ländlichen Gemeinden aus.
Die Schweizer Identität ist eine ländliche, aber die Lebensrealität von 84 Prozent der Bevölkerung eine urbane. Städte, Agglomerationen und Land sind eng verflochten und so sind es auch die Finanzströme. Nutzniesserinnen oder Bezahler lassen sich nicht eindeutig identifizieren. Ein Graben zwischen Stadt und Land existiert nicht.
Viel Steuerertrag, Leistungen und Lasten
Die Diversität der Schweiz sorgt natürlich für Unterschiede, auch in der Wirtschaftskraft. So kommt der Bericht zum Schluss, dass gut drei Viertel der direkten Bundessteuer aus dem städtischen Raum stammt. Auch auf Kantonsebene steuern die Städte in den meisten Kantonen überdurchschnittlich viel zu den direkten Kantonssteuern bei und zahlen tendenziell höhere Beiträge in die kantonalen Ressourcenausgleiche ein als ländliche Gemeinden. Das hohe Steuersubstrat ermöglicht es den Städten im Gegenzug eine gute ausgebaute Infrastruktur (Bildungseinrichtungen, Kulturhäuser oder Sportstadien) zur Verfügung zu stellen, die nicht nur der städtischen Bevölkerung zugutekommt. Mittelgrosse Städte haben dadurch Zentrumslasten zwischen 300 bis 400 Franken pro Kopf zu tragen. In den Grossstädten können diese sogar zwischen 600 und 1000 Franken pro Kopf betragen.
KSFD-Fachveranstaltung: Dialog zwischen Stadt und Land
Wer von diesen Ausgaben der öffentlichen Hand wie stark profitiert, lässt sich oft nicht beziffern oder eindeutig räumlich verorten. In einem föderalistischen System ist aber ein fairer Ausgleich von Ressourcen und Lasten grundsätzlich sinnvoll, um regionale Disparitäten bis zu einem gewissen Teil auszugleichen, eine Mindestausstattung zu garantieren und den nationalen Zusammenhalt zu stärken. So hat jeder Kanton seine eigenen Ausgleichsmechanismen, neben dem Finanzausgleich auf Bundesebene. Für den Schweizerischen Städteverband und die KSFD ist denn auch klar, dass das Erfolgsmodell Schweiz mit seiner Heterogenität sämtliche Landesregionen und Bevölkerungsschichten braucht.
An der diesjährigen KSFD-Fachveranstaltung haben sich Wissenschaftler und Politikerinnen zu dieser Thematik ausgetauscht und die Wichtigkeit einer engen Zusammenarbeit betont. Mit dabei waren unter anderem Nationalrätin Christine Billiard-Marbach, Präsidentin der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB), Bernard Dafflon, emeritierter Professor für Wirtschaftspolitik, Studienautor Michael Marti (Ecoplan) und KSFD-Präsidentin Silvia Steidle, Gemeinderätin von Biel.
Weitere Informationen:
Silvia Steidle, Präsidentin der KSFD, Finanzdirektorin der Stadt Biel, 078 711 13 73 (ab 16h30)
Informationen zur Fachveranstaltung und Bericht:
Webseite KSFD